Zweimal disruptiert ist zur Normalität zurückgekehrt

Vor einiger Zeit habe ich eine Artikel über das Aussterben von Buzzwords geschrieben. In diesem Zusammenhang entstanden bei mir Gedanken, die sich mit der Tatsache befassten, ob es ein Ende der Digitalisierung gibt. Dessen bin ich mir inzwischen sicher und zwar nach folgendem Schema:

Wird ein traditionelles Geschäftsmodell mittels eines disruptiven Geschäftsmodells zerstört oder durch eine disruptive Technologie vollständig verändert, dann haben wir einen klassischen Fall von Disruption und damit ein Thema der Digitalisierung. Stellen Sie sich jetzt eine weitere Iteration vor: ein Geschäftsmodell wird mittels einer disruptiven Technologie verändert, die dann wiederum durch eine disruptive Technologie verändert wird.
Wenn wir jetzt noch aktuelle Entwicklungen wie bspw. die Krisen in den USA oder die globale Corona-Krise in die Überlegung miteinfließen lassen, dann könnte es doch durchaus sein, dass wir nach zwei disruptiven Veränderungen ggfs. wieder bei Urzustand angekommen sind

Aber warum soll das der Fall sein?

Es gibt meiner Meinung nach zwei Ausgänge der zweiten Disruption:

  1. durch eine zweite Disruption wird der Ursprungszustand wiederhergestellt, weil festgestellt wurde, dass die erste Disruption eigentlich keine Nachhaltigkeit besitzt
  2. durch eine zweite Disruption entfernt man sich noch viel weiter vom Ursprungszustand und wechselt in einen hybriden Zustand, der sowohl von Technologie als auch von Menschen aufrechterhalten wird

Lassen Sie mich die beiden Ausgänge an einem Beispiel erklären:

Stellen wir uns den klassischen Einzelhandel vor.

Die erste Disruption kam mit dem E-Commerce. Plattformen wie Amazon haben bestehende Strukturen infrage gestellt und viele stationäre Anbieter verdrängt. Der physische Verkaufsraum wurde durch digitale Marktplätze ersetzt.

Die zweite Disruption könnte nun durch Entwicklungen wie lokale Online-Marktplätze, Quick-Commerce oder den Einsatz von KI im Laden vor Ort erfolgen. Diese verbinden die Vorteile des Digitalen mit der Verlässlichkeit und Nähe des stationären Handels. Der Einzelhandel kehrt damit nicht vollständig zurück, sondern entwickelt sich zu einem hybriden System: digital organisiert, aber lokal erlebt.

Was bedeutet das für die Digitalisierung?

Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug zur Veränderung – manchmal radikal, manchmal ergänzend. Doch jede Technologie unterliegt Zyklen. Wenn sie keinen nachhaltigen Mehrwert bringt oder wenn gesellschaftliche, wirtschaftliche oder ökologische Faktoren sie zurückdrängen, wird sie durch eine neue Realität ersetzt.

Diese Realität kann entweder eine Rückkehr zum Bewährten sein – modernisiert und angepasst – oder eine neue Form der Symbiose zwischen Mensch und Maschine.

Fazit

Das Ende der Digitalisierung ist kein abruptes Stoppen von Technologie. Es ist das Erreichen eines neuen Gleichgewichts. Ein Punkt, an dem nicht mehr Digitalisierung das Ziel ist, sondern die Frage im Raum steht: Was brauchen wir wirklich – und was nicht?

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